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Neuigkeiten und Ankündigungen rund um Cluster

New kid in town

10 Januar 2018

Die Seite ist online. Yay! Wenn auch nur als Testversion. Mindestens zwei Dutzend Dinge würden mir spontan einfallen, die noch verbessert, korrigiert und ergänzt werden könnten. Aber es gibt so viele Dinge, die sich in der Theorie nicht austesten lassen, und dieses Projekt soll, auch wenn viele Ansätze noch nicht ausgereift sind, nicht theoretisch bleiben.

Umso mehr freue ich mich, dass all die theoretischen Vorüberlegungen mit einem ersten Release dieser Seite nun konkret werden. Diese Seite, so wie es nun ist, ist vor allem Ausdruck eines Experiments: Lassen sich die Algorithmen, die Inhalte auf Plattformen sortieren, transparenter, verständlicher und, wenn die Voreinstellungen nicht gefallen, im besten Fall auch einstellbar zu machen?

Dies ist die Kernidee von Cluster, wie sie schon vor über zwei Jahren entstand. In der Zwischenzeit waren soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter immer wieder teils massiver Kritik ausgesetzt. Die Begriffe „Sortieralgorithmus“ und „Filterblase“ avancierten dabei schon fast zu den Unwörtern des digitalen Zeitalters.

Sortieren und filtern

Ich glaube nicht, dass sowohl Algorithmen als auch Filterblasen per se zu verteufeln sind. Das Internet bietet die Chance, auf zahllose verschiedene Nachrichtenquellen mit nahezu unendlich vielen Inhalten zuzugreifen. Für eine einzelne Person gibt es kaum eine Möglichkeit, diese Datenmenge zu durchdringen und Ordnung ins Chaos zu bringen. Sortieralgorithmen können dabei helfen und insbesondere bei der Erledigung solcher Aufgaben hilfreich und sinnvoll sein.

Dennoch sind Algorithmen nicht neutral; sie sortieren nicht objektiv, sondern entsprechend der Intention und dem Erfahrungshorizont der Programmierer. Das ist zunächst nichts Verwerfliches. Schwierig wird es, wenn ganz und gar unklar bleibt, wie der Algorithmus relevante Nachrichten als relevant auswählt und andere gar nicht erst anzeigt. Denn gerade, wenn es darum geht, wie wir uns Tag für Tag informieren, wollen wir nachvollziehen können, wo unsere Nachrichten herkommen. Das fällt bei vielen bestehenden Nachrichtenaggregatoren und insbesondere bei den verbreiteten sozialen Netzwerken schwer.

Auch Filterblasen, die gerne im Zusammenhang mit Sortieralgorithmen genannt werden, sind erst einmal nichts Schlechtes, sondern in unserem Alltag etwas völlig Natürliches. Nicht jeder begeistert sich für jedes Thema, nicht jeder mag jeden Autor und natürlich sind Artikel interessanter, die auch die jeweiligen Freunde interessant finden. Dennoch darf es nicht das Ziel eines Nachrichtenaggregators sein, uns in unserer Filterblase fortwährend selbst zu bestätigen. Zum einen muss klar sein, woraus die Blase, die uns umgibt, besteht, zum anderen muss auch klar ersichtlich sein, wie man langfristig – oder auch einmal kurzfristig der eigenen Blase entfliehen kann.

Wie wollen wir Nachrichten lesen?

Im Idealfall, davon bin ich überzeugt wird es in Zukunft eine Plattform für Nachrichten geben, auf der genau das möglich ist: Nachrichten verschiedenster Portale ansteuern zu können, sich unabhängig von der eigenen Filterblase, aber gerne auch innerhalb zu informieren - und das Ganze transparent und nachvollziehbar. Leisten kann das Cluster im Istzustand nicht und, ob es das in Zukunft kann, wird sich ergeben. In jedem Fall ist es aber genau das erwähnte Experiment, diese Ideen einmal in einem kleinen Testumfeld umzusetzen. Sortieralgorithmen können auf verschiedenste Art und Weisen umgesetzt werden. Einen solchen Pluralismus (in Abgrenzung zu bestehenden Angeboten) wollen wir erproben.

Das zugegebenermaßen nicht kleine Projekt wurde neben dem Studienalltag umgesetzt. Auch das ist ein Grund, warum es zwei Jahre von einer ersten Idee bis zu einer veröffentlichen Seite brauchte (ein weiterer Grund mag auch sein, dass sowohl meine als auch die Programmierkenntnisse von Benjamin, der das Projekt unterstützte, zunächst noch überaus mager waren). Umso stolzer sind wir, nun nach einer gewaltigen Lernkurve Cluster präsentieren zu können. Wir freuen uns, wenn ihr bei diesem Experiment dabei seid, und nehmen Feedback dankend entgegen.

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Matthias